UNSERE AUSBILDUNG

 

Allgemeines

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Die Gehörlosengemeinschaft in Österreich umfasst etwa 10.000 Personen. Diese sprachliche und kulturelle Minderheit ist bis heute von vielen Bereichen des täglichen Lebens ausgeschlossen, die für Hörende eine Selbstverständlichkeit sind. Der Grund dafür liegt häufig in Kommunikationsproblemen zwischen Gehörlosen und Hörenden. Die Aufgabe von GebärdensprachdolmetscherInnen ist es, diese sprachlichen und kulturellen Barrieren zu überbrücken. Immer mehr Gehörlose geben sich nicht mehr mit dem zufrieden, was ihnen die hörende Mehrheit zugesteht, sondern kämpfen um ihre Rechte, was den verstärkten Einsatz von GebärdensprachdolmetscherInnen (etwa bei der Aus- und Weiterbildung sowie am Arbeitsplatz von Gehörlosen) nach sich zieht.

Lange Zeit gab es in Österreich keine Ausbildung für GebärdensprachdolmetscherInnen. Seit einigen Jahren sind Bestrebungen vorhanden, das Gebärdensprachdolmetschen durch Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu professionalisieren. Das Angebot am österreichischen DolmetscherInnenmarkt wird jedoch derzeit der Nachfrage von Seiten der Gehörlosen nicht gerecht: 10.000 Gehörlosen stehen 60 GebärdensprachdolmetscherInnen gegenüber (Stand: 2004). Zum Vergleich: In Schweden (ca. 8 Mio. Einwohner) gibt es ca. 8.000 gehörlose Personen, denen 450 (!) geprüfte GebärdensprachdolmetscherInnen zur Verfügung stehen. Ausbildungsmöglichkeiten für angehende DolmetscherInnen sind daher in Österreich unerlässlich, um den Zutritt Gehörloser zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu gewährleisten.

Derzeit gibt es österreichweit zwei Ausbildungsstätten für zukünftige GebärdensprachdolmetscherInnen: (1) die 6-semestrige Fachausbildung Gebärdensprachdolmetschen in Linz und (2) das Institut für Theoretische und Angewandte Translationswissenschaft (ITAT) der Universität Graz, wo im Rahmen eines 10-semestrigen Dolmetschstudiums die Österreichische Gebärdensprache mit einer zweiten Fremdsprache kombiniert wird (im Internet unter http://www-gewi.uni-graz.at/uedo/index.html).

Entstehungsgeschichte

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Die Idee zu einer Ausbildung in Oberösterreich wurde aufgrund des Mangels an GebärdensprachdolmetscherInnen geboren, der in diesem Bundesland besonders eklatant ist. Dass die Ausbildung zustande kam, ist vor allem zwei Personen zu verdanken: Prof. Peter Dimmel, dem Leiter des Landesverbandes der Gehörlosenvereine in Oberösterreich, und Landesrat Dr. Josef Ackerl von der Sozialabteilung des Landes Oberösterreich. Prof. Peter Dimmel setzte sich unermüdlich für den Aufbau einer GebärdensprachdolmetscherInnen-Ausbildung ein; ein Projektteam von 4 Personen leistete die nötige Vorbereitungsarbeit. Landesrat Ackerl unterstützte dieses Projekt seit der Planungsphase und ermöglichte schließlich die vollständige Finanzierung der Fachausbildung Gebärdensprachdolmetschen durch die Sozialabteilung des Landes Oberösterreich. Die Rechtsträgerschaft wurde vom Landesverband der Gehörlosenvereine in Oberösterreich übernommen.

Im Oktober 2003 begann schließlich der erste Lehrgang mit 15 TeilnehmerInnen. Drei Jahre harte Arbeit später, im Herbst 2006, wurden die erfolgreichen AbsolventInnen im Linzer Landhaus gebührend gefeiert (Foto).

Der zweite Lehrgang der Fachausbildung Gebärdensprachdolmetschen begann in neuen Räumlichkeiten direkt danach im Oktober 2006 und lief bis Herbst 2009. Im September 2009 konnte die erfolgreiche Gruppe ihren Abschluss feiern (Foto).

Die AbsolventInnen beider Lehrgänge verstärken heute tatkräftig die Reihen der oberösterreichischen GebärdensprachdolmetscherInnen.

High-Tech-Sprachlabor für die „Sprache der Hände“

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Die Gebärdensprache, die Muttersprache gehörloser Menschen, ist eine visuelle, räumliche Sprache, die durch ihre Lebendigkeit und Ausdrucksstärke besticht. Diese „Sprache der Hände“, die ebenso wie Englisch oder Russisch eine natürlich gewachsene und vollwertige Sprache ist, kann nicht wie andere Fremdsprachen aus Büchern erlernt werden. Auch ein herkömmliches akustisches Sprachlabor, wie es bei Dolmetscherausbildungen für Fremdsprachen üblicherweise eingesetzt wird, ist nicht zielführend. Unser neues High-Tech-Sprachlabor in Linz trägt den Besonderheiten und Erfordernissen der Gebärdensprache Rechnung.

Dieses technische Kleinod, das im deutschsprachigen Raum einzigartig ist, bildet das Herzstück unserer Fachausbildung. Das digitale Sprachlabor wurde von Mag. Josef Ganglberger, Informatiklehrer und passionierter Apple-Experte, speziell für diese Ausbildung maßgeschneidert. Auf 8 Schülerplätzen können die angehenden DolmetscherInnen Videoclips mit gebärdensprachlichen Inhalten analysieren und üben, simultan aus der Gebärdensprache in die deutsche Lautsprache und umgekehrt zu dolmetschen. Ton und Video können zusammenkopiert werden, sodass ein direkter Vergleich des Originals und der Dolmetschung möglich ist. Der Lehrende kann sich von seinem Platz aus über Video oder Textchat bei einzelnen Schülerplätzen zuschalten.

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Mag. Josef Ganglberger  

 

Ausbildungsziele

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Die TeilnehmerInnen der Ausbildung sollen alle Voraussetzungen erwerben, um Kommunikation zwischen Gehörlosen und Hörenden zu ermöglichen. Dies bedeutet in erster Linie ständige Erweiterung der Kompetenzen in Österreichischer Gebärdensprache und Deutsch sowie genaue Kenntnis der dazugehörigen Kulturen. Darüber hinaus werden verschiedenste Dolmetschtechniken erlernt. Die TeilnehmerInnen erhalten einen Einblick in zahlreiche Dolmetschsettings (Bildungseinrichtungen, Arbeitsplatz, Ämter und Behörden, medizinischer Bereich, religiöser Bereich, Konferenzen, Gehörlosenverein etc.). AbsolventInnen des Lehrgangs sollen in der Lage sein, eigenständig und kompetent zu arbeiten, ihre eigene Tätigkeit kritisch zu reflektieren und mit ihren Rechten und Pflichten als GebärdensprachdolmetscherInnen verantwortungsbewusst umzugehen.

Rahmenbedingungen

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Es handelt sich um eine Vollzeitausbildung. Der Unterricht (im Schnitt 25−30 Wochenstunden) findet vormittags und nachmittags statt, eine berufsbegleitende Teilnahme ist praktisch unmöglich. Bei der Absolvierung von Praktika in Einrichtungen für Gehörlose bzw. bei der Begleitung von GebärdensprachdolmetscherInnen können die TeilnehmerInnen das in den Lehrveranstaltungen erworbene Wissen vertiefen und ihren zukünftigen Tätigkeitsbereich genauer kennen lernen.

Am Ende der Ausbildung ist eine Abschlussarbeit zu verfassen und eine mündliche Abschlussprüfung abzulegen.

Lehrveranstaltungen

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Die Lehrveranstaltungen decken ein breites Spektrum an Themen ab, die im Zusammenhang mit dem Gebärdensprachdolmetschen von Relevanz sind. Die erworbenen theoretischen Grundlagen werden im Rahmen umfangreicher Praktika vertieft.

Abschluss

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Voraussetzungen

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Das Dolmetschen aus der bzw. in die Gebärdensprache ist ebenso wie das Dolmetschen zwischen zwei Lautsprachen ein höchst komplexer Vorgang, der besondere Kompetenzen und Voraussetzungen erfordert:

Zulassungsbedingungen

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Die Ausbildung richtet sich an Personen mit Matura bzw. mit absolvierter Berufsreifeprüfung. Alle InteressentInnen müssen sich einem zweiteiligen Auswahlverfahren unterziehen; über ihre mögliche Eignung entscheidet eine Aufnahmekommission.

Unsere Ausbildung ist ein dreijähriges Projekt, das aus Mitteln des Sozialressorts des Landes Oberösterreich finanziert wird. Es befindet sich immer nur eine Gruppe in Ausbildung. Die aktuelle Gruppe hat im Herbst 2009 begonnen.

Sollten Sie noch weitere Fragen haben, kontaktieren Sie uns bitte – wir informieren Sie gerne!

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